Wenn die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung  den Moderator einer Podiumsdiskussion über „Cancel Culture“ „cancelt“, dann ist das vielleicht der bezeichnende Abschluss einer Entwicklung im  Jahr 2020, die unsere Meinungsfreiheit immer mehr in Gefahr bringt. Wie die Zeitschrift „Cicero“ berichtet, organisierte die Stiftung, die ja den Zusatz „für die Freiheit“ im Namen hat, eine Online-Diskussion über die Einengung der Debattenkultur. Der angedachte Moderator war der Philosoph, Kabarettist und Buchautor Gunnar Kaiser, der in der Vergangenheit verschiedene, im medialen Mainstream als „umstritten“ bezeichnete Persönlichkeiten interviewte, wie z.B. den bekannten Arzt Dr. Wolfgang Wodarg über seine Krititk an den weltweiten Corona-Maßnahmen. 

Das wurde ihm jetzt zum Verhängnis: Prompt twitterte die Stiftung, dass sie „die Person Gunnar Kaiser aus gegebenem Anlass sehr intensiv überprüft“ hätten und zur Kenntnis nehmen müssten, dass „Herr Kaiser mit rechtspopulistischem und verschwörungstheoretischem Gedankengut arbeitet“. Schlussfolgerung: Man bedauere, dass man „seinen Hintergrund“ vorher nicht geprüft hätte und werde „Vorsorge treffen, dass so etwas nicht mehr passieren kann“. Diese im Kern totalitäre Entwicklung ist zutiefst beunruhigend. #Bernhard

Auch wir leben nicht länger in einer freien Gesellschaft, der Raum des Denk- und Sagbaren wird immer kleiner. Wie wir alle wissen, sobald Themen wie Klimawandel, Migration oder Energiewende debattiert werden, ist man sofort „im Aus“, wenn man nicht die Mainstream-Meinung teilt. 

Meinungsfreiheit ist ein Grundrecht in unserem Rechtsstaat, verbrieft in Artikel 5 des Grundgesetzes, und dazu gehört, dass man seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei äußern darf, ohne eine Zensur befürchten zu müssen. Soweit die Theorie. Ein anderes Cancel-Culture-Opfer ist die Schriftstellerin und ehemalige DDR-Oppositionelle Monika Maron. Vor fast 40 Jahren veröffentlichte sie den ersten Umweltroman der DDR, „Flugasche“, im S.Fischer-Verlag. Nach der Veröffentlichung ihrer kritischen Romane „Munin“ und „Artur Lanz“ wurde sie u.a. aufgrund ihrer Kritik an der Migrationspolitik in den Mainstream-Medien in die rechte Ecke gesteckt, und der S.Fischer-Verlag kündigte die Zusammenarbeit im Oktober auf. 

Der Verdacht liegt nahe, dass der entscheidende Grund für die Trennung die „politische Unberechenbarkeit“ der Autorin sei, so wie es ihrem Agenten in einem anderen Zusammenhang mitgeteilt wurde. Jetzt publiziert der Verlag Hoffmann und Campe ihre Werke. Übrigens: In ihrem aktuellen Roman „Artur Lanz“ geht es um Mut: Ihr Held setzt sich für einen Freund ein, der wegen eines politischen Postings angefeindet wird. Sehr lesenswert und vielleicht ein Lektüre-Tipp für die Weihnachtsfeiertage.

Es gibt viele weitere Fälle wie des Kabarettisten Dieter Nuhr, dessen Beitrag für für die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) von der DFG-Webseite gelöscht worden war. Hintergrund war, dass Nuhr von der „politisch korrekten“ Meinungspolizei als „Verharmloser von Klimakrise und Corona-Pandemie“ angegriffen wird. Ein weiteres Opfer der linksgrünen Gesinnungs- und Meinungspolizei war die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart. Sie wurde vom Wettbewerb um den Preis des „Harbour Front Literaturfestivals“ in Hamburg ausgeschlossen, da sie sich angeblich „rassistischer“ und „antisemitischer“ Klischees bediene. Die „Cancel Culture“ hat offenbar Deutschland fest im Griff. Vorbei sind die Zeiten, als Dissenz und Meinungspluralsmus als bereichernd galten und ertragen werden konnten! Erwünscht ist offenbar nur noch ideologische Konformität!

https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/buecher/neue-heimat-fuer-monika-marons-buecher/

https://www.faz.net/2.1759/der-verlag-s-fischer-trennt-sich-von-der-autorin-monika-maron-17011747.html?printPagedArticle=true#void

Sehr schöner Kommentar dazu auf Phoenix vom Autoren Jan Fleischhauer.

https://www.cicero.de/innenpolitik/friedrich-naumann-stiftung-freiheit-cancel-culture-gunnar-kaiser-wolfgang-kubicki/plus