Droht eine Gasmangellage? Industrieabschaltung im Winter möglich

Published by Marc Bernhard (RR) on

Der Füllstand unserer Gasspeicher liegt heute bei ca. 55% und damit noch einiges entfernt vom gesetzlichen Ziel von 70% zum 1. November. Im vergangenen Jahr lagen wir zum jetzigen Zeitpunkt bei 75%, fielen Ende Februar aber dennoch fast unter die kritische 20%-Grenze, ab der viele Porenspeicher technisch an ihre Grenzen stoßen. Mit nur wenigen Tagen mehr an Kälte hätten wir den Beginn einer Gasmangellage erlebt. Bereits damals lehnte die Bundesregierung jede Vorsorge ab.

Morgen befasst sich der Wirtschaftsausschuss in einer Sondersitzung mit der Lage. Eine echte Lösung ist jedoch nicht zu erwarten. Wird das Speicherziel verfehlt, muss kurzfristig und teuer Gas nachgekauft werden. Auf unsere wiederholten Anfragen erklärte die Bundesregierung stets, sie sehe keinen Handlungsbedarf, denn „der Markt werde es richten“. Die hohen Kosten dafür tragen Bürger und Unternehmen. Gleichzeitig steuern LNG-Tanker bereits heute Asien an, weil dort höhere Preise gezahlt werden. Im Winter dürfte sich dieser Wettbewerb um die knappen Lieferungen weiter verschärfen, obwohl Deutschland inzwischen in erheblichem Maße von genau diesen Importen abhängig ist.

Am Ende steht die Drohung der Bundesnetzagentur, im Ernstfall die Industrie abzuschalten. Welches Unternehmen investiert noch in einem Land, in dem ihm im Winter einfach der Gashahn zugedreht werden kann? Und die Behörde verharmlost damit einhergehende Stromausfälle sogar noch. Zustände, die man eher aus Dritte-Welt-Ländern kennt, werden uns als Randnotiz verkauft. Das ist schlicht ungeheuerlich. Dabei wäre die Lösung denkbar einfach: den noch intakten Strang der Nordstream-Pipeline nutzen!