Was hier in Berlin passiert, kennt man auch aus anderen Großstädten: Junge Leute wollen in angesagten Szene-Bezirken – in Berlin beispielsweise im Bezirk Kreuzberg oder Neukölln – leben, nur wenn sie dann Eltern werden und es um die Schule ihrer Sprösslinge geht, ist „Multikulti“ plötzlich nicht mehr so „cool“. Dann wird geschummelt und getrickst, beispielsweise mit Scheinanmeldungen im Umkreis beliebter Schulen, um das Kind nicht in die Schule im eigentlichen Einzugsgebiet schicken zu müssen, die einen hohen Anteil von Kindern, die zu Hause nicht primär Deutsch sprechen, hat.

Es werde sogar mit einem Anwalt gedroht, wie die Schulleiterin einer Neuköllner Grundschule, Astrid-Sabine Busse,  in einem Artikel in der „Welt“ berichtet. Sie muss es wissen, denn ihre Schule an der Köllnischen Heide liegt in einem Brennpunktviertel. Im bei der kreativen Szene beliebten Kreuzberg gibt es vier Grundschulen, an denen der Anteil der Kinder, die mit ihren Eltern nicht primär Deutsch sprechen, bei über 90 Prozent liegt. Wenn es aber um die Wahl der Grundschule gehe, so Busse, achteten viele Eltern nur auf eins: den Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund.

Diese Scheinheiligkeit und Doppelmoral überrascht mich nicht. Multikulti ist offensichtlich nur „cool“, solange es keinen negativen Einfluss auf die gewohnte Lebensqualität hat und die eigene Komfortzone nicht tangiert. Wohnen in angesagten Multikulti-Vierteln, damit kann man zeigen, wie offen man ist und liberal. Aber wenn es um die Ausbildung der eigenen Kinder geht, dann wird das türkisch oder arabisch geprägte Umfeld plötzlich doch zum Problem!