Nach Auffassung der Bertelsmann-Stiftung gibt es in Deutschland zu viele Krankenhäuser: Statt 1.400 sollen es laut ihrer Studie künftig nur noch 600 Häuser sein, das heißt, mehr als jedes zweite Krankenhaus sollte geschlossen werden. Begründung: damit würde angeblich die Qualität der Patientenversorgung verbessert und Engpässe beim Ärzte- und Pflegepersonal gemildert. Das ist ein irrer und zynischer Vorschlag, denn gerade im ländlichen Raum haben wir schon jetzt einen Mangel an Ärzten. Zumal diese Vorschläge genau das Gegenteil von dem sind, was die Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ für die ländliche Region gefordert hat. Bertelsmann scheint jedenfalls nicht an die Patienten gedacht zu haben, sondern vielmehr an die Vorteile für ihre eigenen Unternehmensbeteiligungen und Netzwerke. Man schreibt sich genau das Ergebnis herbei das man braucht, um das eigene Geschäft auszubauen. Wir hingegen sehen unsere Gesundheit als unverhandelbar an und setzen uns für eine leistungsfähige, flächendeckende und wohnortnahe medizinische Versorgung ein. Die Aussage „Krankenhäuser sind für viele Menschen ein Stück Heimat“, darf kein hohles Lippenbekenntnis aus der täglichen Wählerwerbung sein, sondern muss in einem „Land in dem wir gut und gerne leben“ auch so Bestand haben! #Bernhard

Die Zahl der Krankenhäuser ist bereits seit mehreren Jahrzehnten stark rückläufig. Eine weitere Zentralisierung, Privatisierung und langfristige Monopolisierung der Anbieter betrachten wir mit großer Sorge.

Wenn der grüne Baden-Württembergische Landessozialministers Manne Lucha sich mit der Studie in seiner Politik bestätigt sieht, dann kann ich nur feststellen, dass ihn die Bedürfnisse der Menschen und auch die Zerstörung der sozialen Infrastruktur offensichtlich nicht interessieren. Der bundesweite Durchschnitt an Krankenhausbetten je 100.000 Einwohner liegt bei 602 Betten (2017). In Baden-Württemberg gibt es schon jetzt nur rund 508 Betten – das ist von allen Ländern der niedrigste Wert. Denn was Bertelsmann vorschlägt, ist im Südwesten Deutschlands schon seit einigen Realität. So wurde zuletzt z.B. der Standort Gengenbach des Ortenau Klinikums (Landkreis Ortenau) geschlossen, zuvor die Standorte Brackenheim und Möckmühl der SLK Kliniken (Landkreis Heilbronn) und das Vincentius-Krankenhaus (Landkreis Konstanz).

Damit nicht genug: geplant sind auch sogenannte „Konzentrationsvorhaben“. So sollen im Landkreis Ortenau vier Standorte wegfallen, im Landkreis Lörrach drei, im Landkreis Öhringen einer, aber das ist nur eine Auswahl. Längere Wege, Versorgung im Akkord und weniger menschliche Zuwendung in der Pflege interessiert offensichtlich keinen.

Wie der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) Gerald Gaß betont, handele es sich bei einem Großteil der Versorgung in den Krankenhäusern zudem um medizinische Grundversorgung, wie Geburten oder altersbedingte Krankheitsbilder. Und das sind Behandlungen, die möglichst familien- und wohnortnah erbracht werden sollten!

Apropos  wohnortnah – wer wissen möchte, wie weit das nächste Krankenhaus von seinem Wohnort entfernt ist, dem empfehle ich übrigens die interaktive Karte „Krankenhaus-Atlas“.

https://krankenhausatlas.statistikportal.de/