Woher soll der Strom kommen für die geplanten 10 Mio. E-Autos? Ist die Netzsicherheit gewährleistet? Was passiert mit unserer gegenwärtigen Stromversorgung, wenn immer mehr grundlastfähige Energieversorger abgeschaltet werden?  Ich habe die Bundesregierung gefragt (Drucksache 19/28020) und warte immer noch vergeblich auf die Antwort.

Für die gefühlte Kanzlerin in spe, Annalena Baerbock, ist ja alles ganz einfach: Wenn der Strom nicht gerade aus der Steckdose kommt, ist er „im Netz gespeichert“: „An Tagen wie diesen, wo es grau ist, da haben wir natürlich viel weniger erneuerbare Energien. Deswegen haben wir Speicher. Deswegen fungiert das Netz als Speicher. Und das ist alles ausgerechnet.“ Argumentative Dunkelflaute bei den Grünen. 

Dunkelflaute und Zappelstrom herrschen auch bei der Bundesregierung bzw. dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Wieviel Strom sie für ihre geplanten 10 Mio. E-Autos braucht, woher der kommen soll, wie man denkt die evidenten Versorgungslücken zu schließen? Die Beantwortung dieser Fragen bedarf laut Staatssekretär Ulrich Nußbaum „zeitaufwendiger Ermittlungen und ressortexterner Abstimmungen“, er bittet das zweite Mal um Zeitaufschub.

Wenn das doch alles so genau „ausgerechnet“ ist, wie uns weißgemacht wird, dann müsste die Bundesregierung doch ganz einfach mit „copy – paste“ auf energiepolitische Fragen antworten können. Um den Irrweg der Energiewende voranzutreiben nimmt die Bundesregierung exorbitant hohe Strompreise und enorme Versorgungslücken in Kauf. Massenweise werden ideologisch getriebene Gesetze und Verordnungen durchgewunken, die unseren Industriestandort gefährden, unsere Arbeitsplätze vernichten und ein ganzes Land in einen fatalen Strukturbruch führen. Aber nun muss sich die Regierung erst noch jene Zahlen zusammenschustern, welche längst verabschiedete Gesetze rechtfertigen sollen? Was für ein Tollhaus!

Allein durch den geplanten Kohleausstieg, der bislang nicht richtig berücksichtigt wurde, entsteht eine Kapazitätslücke von bis zu 4,5 Gigawatt –  das entspricht der Leistung von vier großen konventionellen Kraftwerken. Das sagt nicht die AfD, sondern der Bundesrechnungshof. Auch der Ressourcenforscher Henrik Paulitz benennt das Problem: „Zahlreiche mit der Thematik befasste Institutionen und Fachleute, beispielsweise auch die der Leopoldina, weisen unmissverständlich darauf hin, dass Deutschland wegen der nicht verfügbaren Langzeitspeicher auch weiterhin ein absolut zuverlässiges, konventionelles Backup-Kraftwerkssystem wie im heutigen Umfang benötigt. Selbst der Bundesverband der Solarwirtschaft teilte unlängst mit, dass schon in den kommenden rund zwei Jahren eine Stromlücke von bis zu 30 Gigawatt Leistung droht, was rein rechnerisch der Leistung von mehr als 20 großen Atomkraftwerken oder rund 40 Kohlekraftwerksblöcken entspricht“

Es ist also letztlich zweitrangig, ob mit 3,4,5 oder 10 Mio. zusätzlichen E-Autos gerechnet wird. Unsere Energieversorgung ist heute schon voll auf Plan- und Mangelwirtschaft ausgerichtet. Mit planwirtschaftlich organisierter „E-Auto-Beglückung“ wird es nicht besser, sondern schlechter.

https://www.welt.de/wirtschaft/article229449033/Energieversorgung-Bundesrechnungshof-warnt-vor-Stromluecke.html?fbclid=IwAR3rcpUhDje1ogUoriyk51bWtbh11918hHZ8VaV8Q5xS8sFzk17uA7uWA-E